Review: Katastrophen Kommando – Res!stenz

Es ist Deutschrockzeit!
Katastrophen Kommando“, so nennen sich vier Deutschrocker aus Oberösterreich. Bereits seit 17 Jahren, verbreitet die Bande ihre Parolen unter den Deutschrockern und hat schon einige Live-Auftritte hinter sich gebracht.
Österreich ist bezüglich der Deutschrock-Szene im Gegensatz zu Deutschland und Südtirol ja noch etwas hinten nach. KK sind hierbei allerdings eine klare Unterstützung und beweisen mit ihrem Album „Res!stenz“, dass sie ohne Weiteres mit bekannteren Deutschrockgruppen mithalten können.
Textlich geht’s hier natürlich wie so oft mit obligatorischen Inhalten zur Sache. Die Gesellschaft, Extremisten und Politiker bekommen alle ihren nötigen Arschtritt erteilt, während natürlich auch positive Inhalte in Form von Deutschrock- und Feierhymnen an den Tag gelegt werden. „Res!stenz“ ist übrigens bereits Anno 2011 erschienen, allerdings handelt es sich momentan nach wie vor um das aktuellste Album von KK. Wir wurden von der Truppe gebeten auch unseren Senf dazu abzugeben, um euch allen einen Einblick in das Album gewähren zu können…

Zunächst etwas zur kreativen Aufmachung! Sowohl Cover, als auch CD selbst sind in einer Art „Bürostil“ gestaltet. Das Cover zeigt einen Schreibmaschinentext, auf dem die Absichten der Band festgehalten sind, versehen mit einem Notizzettel mit dem Bandlogo. Auf der Rückseite der Hülle ist eine Kaffeetasse mit dem Logo zu sehen. Das Beiheft wird als „Akte 05“ bezeichnet und gleicht optisch einem dieser langweiligen Aktenordner. Die CD selbst ist mit dem Bild eines verdreckten Tisches aus Vogelperspektive bedruckt, auf dem sich neben der bekannten Kaffeetasse auch ein gefüllter Aschenbecher befindet. Wenngleich etwas verwunderlich, sicherlich ein gelungener Einfall!

Stilistisch erinnern KK an eine Mischung aus den Toten Hosen und den Onkelz, wobei der gesangliche Part eher den Hosen zuzuordnen ist, während das Instrumental (vielleicht abgesehen von den Drums) onkelzlastiger scheint.

Um einzelne Songs näher zu analysieren:
Deutschrockzeit ist ein verpflichtendes Loblied an den Deutschrock. Der Song wird von den rhythmischen Drums eingeleitet, geht langsam in die Rythmusgitarre über, ehe die Melodie und die fetzige Stimme den Einklang vollenden. Das Lied ist, nicht zuletzt auch aufgrund des Textes, ein typisches Lied zum feiern und mitgrölen! Ich kann hierbei nur empfehlen die Lautsprecher Vollgas aufzudreh´n um ordentlich abrocken zu können!
„Deutschrockzeit“ ist sicherlich einer der favorisierten Songs auf der CD und provoziert Ohrwürmer!
Mit „Kommandofiziert“ beschreibt sich die Band selbst. Seit 17 Jahren gibt es sie schon. Sie sind „Rebellion in Form von Liedern!“. Gegen Mitte des Songs, hält der energiegeladene Gesang kurz für ein Solo inne. Vor allem textliche Parts wie „Schwingt eure Gläser auf euch und auf uns vier!“, bestärken die Annahme, dass es sich hierbei wieder um eine Feierhymne handelt.
„Kein Platz“ ist ein klassisches Beispiel für gesellschaftskritisches Liedgut aus den Reihen des Deutschrock. Auf sarkastische Art und Weise, wird das festhalten an sinnlosen, krampfhaften Formalitäten und billigen Klischees kritisiert. „Wir lassen uns nichts sagen, denn die Wahrheit tut weh“, entspricht eindeutig dem Denken des typischen Durchschnittsbürgers, der sich nicht von seinem vorgefertigten Weltbild abbringen lassen möchte.
Mit einer Kriegssirene und einem melodischen instrumental beginnt der Song „Bombenalarm“. Textlich geht es um ein symbolisches „Bombenfeld“ im Inneren des Protagonisten. „Willst du wissen was ich denke? Willst du wissen wer ich wirklich bin? Willst du den Ort der Verwüstung sehen, tief in mir drin? […] ich bin sicher, das willst du nicht!“. Der Text ist durchaus ernst und vielleicht nicht jedermanns Sache, während der musikalische Teil aufgrund des späteren Solo-Einsatzes sehr hörenswert ist.
„Die Herde“ entspricht musikalisch den anderen Songs. Erwähnenswert ist er allerdings aufgrund der Darstellung des Menschen als (wer hätte es gedacht) Herdentier, der „Medienterror und Gruppenzwang“ ohne weiteres hinnimmt, um unbeschwert leben zu können. Auch dieses Lied wird in äußerst sarkastischer Weise vorgetragen.
Der Titel „Keine Macht den Sorgen“ ist offensichtlich eine Abänderung des altbekannten Spruchs „Keine Macht den Drogen“. Textlich geht es vermutlich um jemanden, der weder zurück blickt, noch nach vorne, sondern „an einen helleren Ort“ flieht. Dies kann man entweder als Suizid aus Verzweiflung deuten, oder aufgrund der Anspielung auf den Anti-Drogenspruch als verzweifelte Flucht vor der grausamen Gegenwart mittels Drogen in eine fiktive, heile Welt.

Fazit:
Vermutlich werden die Wenigsten von euch KK zuvor gekannt haben, aber sicherlich haben einige Leser Lust bekommen, sich mal in das Album reinzuhören.
Teilweise wirken die Songs zwar sehr ähnlich, da sie vom Aufbau her alle verwandt sind, ein klarer Bonus ist aber, dass die Soli, auch wenn sie eher seltener sind, gekonnt rüberkommen und die Songs stets von musikalischer Leidenschaft strotzen.
Die vier sind jedenfalls der Beweis dafür, dass auch das schöne Österreich die ein oder andere hörenswerte Deutschrock-Gruppe beherbergt!

-Verfasser: Jalle von ROCK IDENTITÄT

Review: Berserker – Reinkarnation

Völlig gleich ob Metaller, Oi!s oder Deutschrocker, die Berserker aus Berlin sprechen mit ihren vielseitigen Songs zweifelsohne ein breit gefächertes Publikum an. Vielen sind sie ohnehin schon bekannt, daher werde ich nur das Nötigste über die Truppe berichten.
Gegründet wurde das Projekt bereits in den 90ern, nämlich Anno 1999 kurz vor der Jahrtausendwende. Gründungsmitglieder waren damals Schröder, Costa und Andi, die ja nach wie vor die aktiven Köpfe sind. Durch Matzes Beitritt, war die Runde letztlich komplett. Nach einigen Demos und Auftritten, erschien 2006 „Kein Blick zurück“, das erste Album in voller Länge. Im späteren Verlauf des Bestehens, produzierten die Berliner noch einige weitere Alben, letzteres war die Scheibe „ Gottes Werk und Teufels Beitrag“ welches erstmals über Sunny Bastards erschien.
Erst kürzlich, wurde die Fangemeinde der Berserker durch eine erschreckende Nachricht erschüttert: Schröder, Sänger und Zweitgitarrist der Band, war an Krebs erkrankt. Doch so schlimm die Lebensumstellung des Berliner auch sein mag, seine Fans, Freunde und Familie stehen hinter ihm und begleiten ihn stets, egal was das Schicksal bringt!
Eine Tatsache, die Schröder bestimmt bestärken und ihm kräftigen Aufwind geben wird, ist die Veröffentlichung der brandaktuellen Scheibe, um die es in diesem Review geht. Es handelt sich hierbei um die CD „Reinkarnation“.

Mehr zu dem Teil: Die Scheibe umfasst ganze 12 Titel und hat eine Gesamtlaufzeit von etwa einer Dreiviertelstunde.
Musikalisch geht es gleich beim Intro richtig zur Sache. Das harte Instrumental wird von barbarischen Zwischenrufen begleitet, stilistisch ist es sehr dem typischen Metal-Sound zuzuordnen.
Nachdem das Intro eine passend brachiale Atmosphäre erschaffen hat, geht’s los mit dem ersten „echten“ Song „zu viele Menschen“. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich hierbei um einen misanthropischen Titel der musikalisch gesehen passend von einem rasanten, metallischen Instrumental und einer rauen Stimme begleitet wird. Der Protagonist des Stücks, flüchtet vor der Menschheit, die er nicht mehr ertragen kann in die Isolation.
Großartig ist vor allem die Melodie des Songs „Die Hoffnung ist was uns bleibt“. Unter anderem dank der Leadgitarre und dem deutlich vernehmbaren Refrain, besteht bei diesem Titel klare Ohrwurmgefahr. Die Aussage des Liedes richtet sich vermutlich gegen all jene, die aus Naivität auf Veränderung hoffen, ohne, dass diese Vorstellungen realisierbar wären.
Mit gewohnt rauer Rythmusgitarre, rockigem Schlagzeug und einem geilen Soli von der Leadgitarre, wird in „Die Würde der Menschheit“ die Ansicht kundgetan, welche die Berserker über die weltweiten Missstände der heutigen Zeit und das sinnlose Dahinvegetieren des Großteils der Menschheit hegen. Eine aussagekräftige Passage aus dem Text lautet: „Die Welt im Wandel, im Wandel mit sich selbst, das Karussell der Völker dreht sich, schneller als Du denkst. Da sind Milliarden für die Kriege und Millionen für den Tod, das kleine Volk verdurstet und stirbt an Hungersnot“
Mit dem Ausruf „Stay brutal!“, endet auch dieser Track.
Im Song „Ich werde leben“, welcher auch von ruhigen Stellen gezeichnet ist, geht es darum, die Zeit im Leben nicht zu verschwenden. Ich bin über die Entstehung des Songs nicht informiert, aber es handelt sich vermutlich um eine Anspielung auf Schröders tragische Erkrankung. Wir alle wünschen ihm, dass er sein Leben in vollen Zügen genießen möge, egal ob gesund oder krank!
Der Midtemposong „Rockstar“, handelt von dem Wunsch des Protagonisten vom Alltag zu entfliehen und ein Rockstar zu sein, der ein unbeschwertes Leben führt (ob die Realität der Rockstars ganz so aussieht sei dahingestellt). „Mein Traum er soll nie vergehen, Fuck yeah, lass mich ewig leben“.
Wie bereits aus den ersten Zeilen des Songs „Der Weg des Lebens“ eindeutig zu vernehmen ist, handelt es sich um die Geschichte eines jungen Mannes in der heutigen Zeit, der den abenteuerlichen Weg eines Kriegers geht um „Lachen, Tanz und Freud“ zu finden, die ihm fremd sind. Die Textzeile „Geh Deinen Weg es ist noch nicht zu spät“, wird in der letzten Version des Refrains mit „[er] Ging seinen Weg, es war noch nicht zu spät“ fortgesetzt. Stilistisch ist der Song sehr ruhig bis balladenartig.
Eine großartige Einstiegsmelodie, die sich einem auch ins Ohr frisst, bringt der Song „Ehrlichkeit“ mit sich. Die großartige Lyrik des Liedes behandelt das Gewissen, welches einen mahnt ehrlich zu sein, denn „wenn Du ehrlich bist, kannst Du nur gewinnen„ und „Hast Du erst mal angefangen, wirst Du verstehen, ehrliche Menschen können aufrecht gehen!“. Ein Hammer ist neben dem Text auch das fetzige Solo des Liedes!
Dass Berserker nun mit ihrer neuen Platte zurückgekehrt sind, machen sie einmal mehr in ihrem Lied „Die Liebe zur Musik“ deutlich. Der Song handelt von der Truppe und ihrer „Liebe zur Musik“, denn das ist was die Jungs verbindet, bestärkt und antreibt! Unter Berserker-Fans, könnte der Titel durchaus zu einem Kultlied heranwachsen.
Eine überraschende Wende, bringt der 10. Titel „Niemals bekommst du mein Herz“. Das Lied besteht gänzlich aus einer Klaviermelodie und einem ungewohnt sanften Gesang. Der passende Text zu dieser eher melancholischen Melodie, die einem nahezu Tränen in die Augen treibt, handelt schlicht von verlorener Liebe: „Ich lass Dich los, lass Dich nun weiter ziehen, denn meine Liebe, die muss man sich verdienen“.
Ein ernstes Thema, behandelt „Ich möchte weinen“. Es geht um Kindesmissbrauch und die Tatsache, dass die Täter teilweise in Schutz genommen werden. Eine nennenswerte Stelle ist „Ob der Kinderschänder wirklich Menschenrechte verdient“, denn diese Ansicht unterstreicht eigentlich die Absurdität eines universellen Menschenrechts. „Glaube mir Du Schwein, auch Du zahlst den Preis, deine Taten sind Abschaum und Du der Beweis“, sind wohl Worte, die jeder getrost nachvollziehen kann, und wie ROCK IDENTITÄT, so sind auch die Berserker Unterstützer der Initiative „Laut gegen Missbrauch“.
Den Ausklang des Silberlings, bringt der Titel „Elf“ mit den optimistischen Worten „Es ist kein Abschied, es ist ein Neuanfang“!

Konklusion:
Empfehlenswert ist die “Reinkarnation” der Berserker allemal! Sowohl Metaller, als auch Deutschpunks können dieser Scheibe bestimmt etwas abgewinnen. Die wichtigsten Boni sind vor allem die großartigen Melodien und die gut einstudierten Soli, aber auch die Texte können sich sehen bzw. hören lassen. Wer jetzt vor Spannung fast platzt: Ihr müsst euch leider noch etwas gedulden ehe das Teil erhältlich ist!

-Verfasser: Jalle von ROCK IDENTITÄT

Konzertbericht: Unantastbar, Dirty War Index und Senfchack in Wien

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Am Freitag dem 10. Februar 2012 war es endlich soweit: Unantastbar, die Deutschrocker aus den Südtiroler Alpen, machten Österreichs Hauptstadt wieder unsicher!
Angekündigt wurde das Event bereits Monate zuvor, so haben natürlich auch wir Wind davon bekommen und sind zusammen losgezogen um an der Show teilzuhaben.
Sonderlich schwer war es nicht an die Karten zu kommen, schließlich war eine Bestellung nicht nötig, da die Karten bei einer Vorverkaufsstelle in der Wiener Innenstadt für den fairen Preis von 12 Euro erhältlich waren (übrigens sogar bis kurz vor Konzertbeginn). Die einzige, kurzfristige Änderung war die Absage der Band Untauglich.

Der offizielle Einlass war für 20:00h festgelegt, aufgrund der kurzen Verspätung des Kassenwarts, wurde der gespannten Menge jedoch erst ein paar Minuten später der Eintritt gestattet. Die kurze Verzögerung war jedoch nicht weiter schlimm!
Bereits am Eingang, war unverkennbar, um welche Art von Veranstaltung es sich handelt. Die Wände des Wiener Viper Room waren mit Festivalpostern der Krawallbrüder oder Flyern bekannter Deutschrockfestivals geschmückt, während auch bekannte Gesichter des Wiener Punkrocks vor Ort waren um sich das Konzert nicht entgehen zu lassen (beispielsweise die Leute von Wiens No.1).
Kurz nach dem Einlass schien das Lokal im Verhältnis zum Publikum noch etwas leer, doch dies änderte sich im Verlauf der folgenden Minuten. Gleich am Eingang befand sich logischerweise ein Merchandisestand, der allerhand Fanartikel von Unantastbar vertrieb.
Zu Beginn des ersten Auftritts, eine Ehre welcher der Band Senfchack zuteil wurde, hatten sich schon an die 100 Besucher eingefunden, bestellten sich ihren Gerstensaft und legten ihre Kutten ab.
Die erste Band wurde mit Applaus und ersten Pogokreisen unterstützt, aber sichtlich stand der Menge die Vorfreude auf den Headliner ins Gesicht geschrieben. Bei Senfchack handelt es sich übrigens um eine 2004 gegründete, durchschnittliche Wiener Oi!-Band.
Vergleichsweise, verhielt es sich auch mit der zweiten Truppe Dirty War Index, welche wie erstere eine punkige Performance zutage brachten und ebenfalls einige Besucher zum Pogo animierte.
Um ca. 22:00 Uhr war es endlich soweit, die Südtiroler Deutschrocker betraten die Bühne und trällerten Sofort mit altbekannten Songs wie „Eure schöne Welt“ los. Das Publikum, mittlerweile aus ungefähr 300 Deutschrockern, Punks, Skinheads und Metallern bestehend, kam sofort auf seine Kosten! Bis auf den Verzicht von Chorus-Parts, welche man auf den CDs der Jungs oft vernehmen kann, wurden die Songs unverändert wiedergegeben, teilweise verzichtete Sänger Joggel darauf manche Refrains selbst zu singen und forderte das Publikum auf, diese zu grölen, was jenes auch ohne zu zögern in die Tat umsetzte.
Im Verlauf der Show wurden die Pogorunden größer und wilder, der Alkoholpegel von Bandmitgliedern und Fans stieg an und mit ihm auch die großartige Stimmung. Nach etlichen Songs aus allen Unantastbar Alben (Vor allem der Kultsong „Bonzenbengel“ war der Höhepunkt schlechthin!), gab die Truppe noch zwei Zugaben zum Besten, wobei sie beim letzten Song wahllos Leute aus dem Publikum auf die Bühne holten, welche dann selbst die musikalische Überhand nahmen. Es war ein skurriles und zugleich amüsantes Spektakel, welches sich darbot: die Bandmitglieder schlichen sich allmählich von der Bühne, während die Fans (teilweise auf der Bühne) noch gemeinsam die letzten Songs grölten, ehe sich das Konzert allmählich dem Ende neigte.
Mit dem Ende der Live Show, war der Abend aber noch lange nicht vorbei! Viele Fans blieben im Kreise der ihrigen und feierten vor Ort weiter, während die Bands allesamt ihre Instrumente verstrauten. Zu späterer Stunde, mischten sich die Musiker unter das „gemeine Volk“ und plauderten gemeinsam mit den Fans, oder gaben gar, wie Joggel von Unantastbar, Autogrammstunden am Merchandisestand.

Wie jeder Abend, ging auch dieser bald zu Ende… Die Fans verließen allmählich den Viper Room und machten Platz für eine andere Veranstaltung. Viele von ihnen hatten am darauf folgenden Morgen bestimmt sowohl einen grässlichen Kater, als auch (sofern es mit dem Alkoholkonsum nicht zu sehr übertrieben wurde) großartige Erinnerungen an ein gelungenes Konzert von Unantastbar und Co!

Unser Fazit: die 12 Euro allemal wert, alle Bands verstanden es mit ihren Instrumenten umzugehen, das Publikum war szenetechnisch bunt durchmischt, es gab keine unangenehmen Vorkommnisse, Spaß war Garantie.

Verfasser: Jalle von ROCK IDENTITÄT
Bilder: Tyler D. von ROCK IDENTITÄT

Review: Herzlos – Volldampf Voraus

Herzlos, ist der aussagekräftige Name einer fünfköpfigen Deutschrock-Formation aus Eulenbis (Rheinland-Pfalz). Die bislang eher unbekannten Newcomer sind seit dem Jahr 2008 aktiv und haben bereits einiges an Bühnenerfahrung hinter sich. 2011 erschien ihre Demo CD „Wir sind Herzlos“ und letztlich im selben Jahr die CD „Volldampf Voraus“. Auf der CD, widmen sie sich vor allem sozialen Missständen und allgegenwärtigen Problemen, mit denen jeder zu kämpfen hat. Herzlos betonen stets ihren unpolitischen Charakter, denn politisches Gefasel hat in ihren Liedern keinen Platz. Wir wurden vor einigen Tagen von der Band gebeten einen Beitrag über „Volldampf Voraus“ zu verfassen, was wir hiermit auch gerne erfüllen.

Zunächst Allgemeines zur CD: Die Laufzeit beträgt ca. 39 Minuten, das Cover ziert das Herzlos Logo sowie ein Eulenwappen, welches an das Wappen von Eulenbis angelehnt ist.
Musikalisch haben wir es hier zweifelsohne mit härterer Kost zu tun. Kratzige Gitarren, Midtempo Schlagwerk und eine besonders raue Stimme, wie man sie eher von Hardcorebands kennt, sind die musikalischen Elemente, aus denen sich die Tracks ergeben. Lobenswert sind für so eine junge Band vor allem die Soli, welche in Liedern wie „Hoch die Gläser“ oder „Freunde“ besonders gut zum Vorschein kommen. Auch der ein oder andere Ohrwurm, kann sich seinen Weg in das Gehirn des Hörers bahnen. Aufnahme- und Mixtechnisch, weist das Werk zwar noch ein paar Schönheitsfehler auf, aber die lassen sich künftig ohne weiteres beheben, immerhin handelt es sich hierbei um das erste offizielle Album.

Der fiese Sound (in diesem Sinne positiv gemeint), wird stets von klassischen gesellschaftskritischen Texten begleitet. Die textlichen Thematiken entsprechen ergo hin etwa jenen durchschnittlicher Deutschrock-Kappellen.
Um ein paar Titel näher zu beschreiben:
Titel 1 „Herzlos Weiter“ ist sozusagen als Schwur der Band zu sehen und handelt von der Band im Allgemeinen und ihrer Einstellung. Diese entspricht natürlich dem Prinzip „Nomen est omen“, Herzlos sind einfach herzlos!
Das zweite Lied der CD ist inhaltlich durchaus gewagt. Die Jungs nehmen sich kein Blatt vor den Mund und verkünden mit dem Song „Terror bei mir“, was sie von den Maßnahmen der Bundesrepublik in Bezug auf die angebliche Terrorgefahr halten. Auch Anspielungen auf Auslandseinsätze bzw. Fremdinterventionen in Konflikten, die Deutschland eigentlich nichts angehen sollten, sind offensichtlich. „Behaltet eure Kriege doch für euch allein, euch und eure Politik die braucht hier doch kein Schwein“.
Neben obligatorischen Deutschrock-Themen wie Feierhymnen und Liedern über wahre Freundschaft, haben Herzlos auch Stücke anzubieten, in denen sie Hetzer und Verleumder auf Korn nehmen. Beispiele hierfür sind die Songs „Schwätzer“ und „Brett vorm Kopf“. Die Botschaft der Lieder ist unmissverständlich: Wer die Texte nicht verstehen will, soll´s Maul halten. Vor allem der 6. Titel „Brett vorm Kopf“, ist vermutlich an Extremisten und Szenepolizisten gerichtet, die Herzlos in irgendeine Schublade stecken wollen und unter denen vor allem die Bands leiden, die einfach nur Musik machen wollen. Wer will schon gerne von Extremisten vereinnahmt werden und sich unter dem Druck anderer Extremisten von diesen distanzieren? „Streite und Konflikte, die diese Gesellschaft selbst heraufbeschworen hat“, interessieren die Band nicht, wobei die Aussage angesichts der vielen gesellschaftskritischen Texte etwas widersprüchlich wirken mag.
Nennenswert ist noch „Eins“, das letzte Stück auf „Volldampf Voraus“. Das Lied könnte als Hymne für die Deutschrock-Szene gesehen werden. Es werden vor allem die charakteristischen Eigenschaften des Deutschrock betont: sie sind stolz darauf deutsch zu sein, aber deshalb noch lange keine Nazis, sie sind „laut und werden es auch immer sein“ sowie „hart und sprengen alle Ketten“. Der Refrain, welcher immer leicht abgeändert wird, ist eine Huldigung an die Vorbilder und Kumpelz der Band. Es werden unter anderem natürlich die Onkelz und Frei.Wild genannt, aber auch andere Bands wie Berserker oder die Kneipenterroristen, erhalten ihr Lob.

Um allmählich zu einem Ende der Ausführungen zu kommen, folgt nun das Fazit: Musikalisch sind Herzlos ganz klar am „härteren“ Weg. Auf „Volldampf Voraus“ sind die Soli ein Bonus, während die Aufnahmequalität ein negativer Kritikpunkt ist. Die Texte entsprechen dem Durchschnitt. Allgemein lässt sich sagen, dass Herzlos sicher den richtigen Einstieg gemacht haben, aber das noch das gewisse Etwas fehlt, um den Newcomer-Status hinter sich zu bringen. Nichtsdestotrotz wird es bestimmt genug Deutschrocker da draußen geben, die „Volldampf Voraus“ gerne mal genauer unter die Lupe nehmen.

- Verfasser: Jalle von ROCK IDENTITÄT

Review: Serum114 – Deine Stimme/Dein Gesicht


Die Jungs von Serum114 treiben nun seit gut 6 Jahren ihr Unwesen in der Welt des Deutschrock. Nachdem die Punkrocker dank Bodog Music bzw. später Rookies & Kings den Sprung aus dem Untergrund geschafft hatten, hatte sich die Fangemeinde der Band beträchtlich vergrößert. Vor kurzem erst, erschien das aktuelle Video zum Song „Junge, dein Leben“ des aktuellen Albums, welchem wir diesen Beitrag widmen.
Die Scheibe trägt den Titel „Deine Stimme, dein Gesicht“, umfasst 13 Titel und hat eine stolze Laufzeit von etwa einer Stunde.
Musikalisch sind die Jungs hin etwa mit den Ärzten oder den Toten Hosen zu vergleichen, wobei sie natürlich auch einen völlig eigenen Style entwickelt haben. Charakteristisch für die Songs von Serum114 ist in erster Linie die Stimme des Sängers Esche, die im Vergleich zu Labelgenossen wie Frei.Wildmilde (aber dennoch sehr passend) ist, kombiniert mit einem rockigen Midtempo-Instrumental. Die Songs bauen vor allem auf melodiöser Gitarrenarbeit auf, hier und da bahnt sich auch ein Solo seinen Weg durch die Melodien. Auch ohrwurmige Refrains, die zum Mitsingen anregen, gibt´s reichlich. Eine kleine Abwechslung bietet ein Part in „Wieder nur davon”, in dem eine mexikanische Trompete im Hintergrund ertönt.

Textlich legen die Droogs in ihren Alben besonders Wert auf die deutsche Sprache, so gibt es auch auf „Deine Stimme, dein Gesicht“ ausnahmslos nur deutsche Lieder. Die Textinhalte handeln von alltäglichen Themen, wie verlorener Liebe („Mein letzter Gruß“), einer aufrechten Lebenshaltung (der Favorit und Video-Hit „Junge dein Leben“, dessen Kernaussage ist „gib nicht auf und bleib dir treu“), bis hin zu gesellschaftskritischen Themen (die Titel „Zweifel an Freiheit“, oder „Niemals erwachsen sein“).
Im Lied „Mein letzter Gruß“, beschreibt der Protagonist beispielsweise, wie es sich anfühlt, wenn einem das Herz gebrochen wird. Hierbei werden viele Vergleiche mit anderen tragischen Ereignissen gezogen: „es ist als ob man einen guten Freund enttäuscht, es ist wie wenn man jemanden auslacht der weint“.
Das Lied „Niemals erwachsen sein“, hat hingegen einen sozialkritischen Hintergrund. Es geht in erster Linie nicht um das „Heranwachsen“ an sich, sondern eher um die Anpassung an sinnlose, identitätsvernichtende, gesellschaftliche Zwänge, sowie das Ablegen einer jugendlichen, rebellischen Haltung. Eins ist gewiss: Serum114 werden wohl immer auf dem rebellischen Weg bleiben und sich von der Gesellschaft zu nichts zwingen lassen.
Auch Selbstmordgedanken sind Humbug, lehren einem die Jungs im Titel „Wieder nur davon“. Ihre Haltung zu dem Thema ist klar: man kann seinen Problem nicht ewig aus dem Weg gehen, sondern muss sich ihnen früh oder später stellen, denn auch Selbstmord ist keine Lösung, sondern am Ende auch nur Flucht!

Meine persönlichen Empfehlungen sind die Lieder „Ich lasse Scherben zurück“, und „Um Kopf und Kragen“. Im Ersteren geht es vermutlich um einen Sadisten, der seinen Drang nach Gewalt nicht unter Kontrolle bekommt und diese auch skrupellos an seinen Mitmenschen ausübt. „Um Kopf und Kragen“, der zweite Favorit, kann wohl getrost als patriotisches Fußballlied gedeutet werden. Mit Zeilen wie „Seht her woher wir sind!“, verdeutlichen die vier Frankfurter, dass sie wahrlich stolz auf ihre Mannschaft und ihr Land sind. Der Gegner wird den Sieg „teuer bezahlen“, wenn er ihn erringen will. Den Fußballfans unter den Hörern wird es bei diesem Lied bestimmt warm ums Herz!

Fazit: Die Scheibe ist musikalisch mit klassischen Deutschpunk-Bands zu vergleichen, obwohl der gewisse „Serum114-Stil“ natürlich auch einen individuellen Einfluss hat. Für all jene, die Serum114 bisher nicht kannten: besonders manchen Onkelz-Fans könnte es vielleicht zu „soft“ sein, aber der durchschnittliche Deutschrocker, kann sich dieses Album getrost ins Regal stellen.

- Verfasser: Jalle von ROCK IDENTITÄT

AP-Radio und ROCK IDENTITÄT

Hiermit geben wir die künftige Zusammenarbeit mit AP-Radio bekannt!
110% Deutschrock, verspricht das AP-Radio!
Vielen von euch dürfte es bereits bekannt sein, wer es noch nicht kennt, sollte mal in unsere Rubrik „Links“ sehen, und die Seite besuchen!

Alle Anhänger von Frei.Wild, Onkelz und Konsorten, werden es lieben.

-eure Crew von ROCK IDENTITÄT

Review: Obscurity – Várar

Ein etwas älteres, aber auf jeden Fall empfehlenswertes Werk ist das 2009 erschienene Album „Várar” der Band Obscurity aus dem Bergischen Land in Nordrhein-Westfalen.

Die Musikrichtung ist schwer zu definieren, auf jeden Fall von der etwas härteren Sorte: Obscurity sind irgendwo zwischen Black- und Deathmetal zu verorten, nennen wir es einfach Viking-Metal, denn textlich geht es um verschiedene Schlachten der Antike und des Mittelalters (Varusschlacht, Worringen), nordischen Glauben (Nach Asgard wir reiten) und das ganze drumherum.

Auf ein langatmiges, lieblos produziertes Intro wird verzichtet, die Jungs fetzen mit „Nach Asgard wir reiten” gleich mal ordentlich los. Nummer 2, „Battle Metal”, passt nicht so ganz rein, es fehlt jeglicher Inhalt, es ist eben ein reines Unterhaltungs-Abrock-Lied.
Dann stampft schon die „Varusschlacht” durch die Lautsprecher, der historische Bildungsauftrag wurde fleißig erfüllt, aber keine Sorge, die Verherrlichung, so wie sie sich für echten Viking-Metal gehört, kommt nicht zu kurz.
Mit „Wer Wind säht” und „Várar”, welches die Völkerwanderung thematisiert, wird ordentlich das Tempo hochgeschraubt, genauso geht es mit “Im Herzen des Eises” weiter.
Die Nordmänner stampfen dann wieder,

etwas langsamer, aber nicht weniger brachial, alles in Grund und Boden.
Die Schlacht um „Worringen” fetzt dann wieder ein bisschen schneller durch.
Und schon pfeffert man so richtig weiter – zu den harten Gittarrenriffs von „Schutt und Asche” muss man einfach abgehen – es geht einfach nicht anders. Mit „Blut und Feuer” lassen Obscurity das Album dann etwas ruhiger ausklingen.

Alles in allem ein extrem treibendes Viking-Metal-Album, dass sich weder technisch noch lyrisch hinter Genregrößen á Amon Amarth verstecken braucht.

Anspieltips: „Nach Asgard wir reiten”, „Várar” und „Schutt und Asche”

- Verfasser: Tyler D. von ROCK IDENTITÄT

„Laut gegen Missbrauch” und ROCK IDENTITÄT

Hiermit geben wir bekannt, dass ROCK IDENTITÄT künftig mit der Initiative „Laut gegen Missbrauch” (den Verweis findet ihr in unserer Rubrik “Links”) zusammenarbeiten wird. Die folgenden Zeilen, erläutern die Absichten und Ziele dieses Bundes:

„Nach langem Überlegen und vielen Enttäuschungen in anderen Communities gegen Kindesmissbrauch haben wir uns entschlossen nun selbst ein Zeichen zu setzen! Oftmals missbrauchen rechts und links extreme Parteien dieses sensible Thema lediglich dafür um für sich zu werben oder ihren Wahlkampf zu bestreiten.

Von derartigen Machenschaften distanzieren wir uns aufs Schärfste!  Wir sind politisch neutral, und so wird es auch bleiben.
Viele unserer befreundeten Musiker kämpfen seit langem durch Ihre Songs und Aktionen LAUT gegen Kindesmissbrauch.
Bekannte Bands der Deutschrock-Szene haben keinen Moment gezögert, sich an diesem Projekt / dieser Community zu beteiligen.
So auch einzelne Musiker und Bands anderer Musikrichtungen. Für den Schutz unserer Kinder -also unserer Zukunft- spielt es KEINE Rolle, ob Rock – Metal – Hip-Hop – Electro – Pop oder was auch immer!

Hauptsache: LAUT GEGEN MISSBRAUCH!!!

Wir zählen auf Euch und Eure LAUTE Unterstützung. Jeder wirklich JEDER kann helfen! Weggesehen wir oft genug!
Nun hoffen wir, dass der erfolgreiche Start von LAUT GEGEN MISSBRAUCH auch Euch dazu ermutigt uns zu unterstützen!
Scheut Euch nicht uns einfach per Kontaktformular / E-Mail / Facebook zu kontaktieren.
Wir freuen uns auf Euch!
Im Namen aller Beteiligten dankt Euch
Euer Sven Sager“

In diesem Sinne: Auf eine zufriedenstellende Zusammenarbeit und das Erreichen unserer Ziele!

-eure Crew von ROCK IDENTITÄT

Review: Grober Knüppel – Unbeugsam

Das Erscheinen der Langspielscheibe „Unbeugsam“ der Hardcore Combo Grober Knüppel, liegt zwar nunmehr über ein Jahr zurück, da es sich (abgesehen von der jüngsten EP) allerdings um das aktuellste Album handelt, haben wir uns dazu entschlossen den Jungs mit einer Rezension etwas unter die Arme zu greifen!

Jedem der sich intensiver mit dem deutschen Hardcore-Punk der letzten Jahre beschäftigt hat, sollte Grober Knüppel ein Begriff sein. Ihr einzigartiges Talent offenbart sich vor allem in den bislang unübertroffenen, politisch inkorrekten und obszönen, ja schlichtweg dreckigen Texten. Seit ihrer Gründung, haben die Knüppel es immer wieder geschafft die staatlichen Zensurstellen in Aufruhr zu versetzen. Dies nicht ohne Grund: die brachialen Streetrocker nehmen sich kein Blatt vor den Mund und schmettern auf rebellische Art und Weise ihre Parolen, gegen das Bonzentum und gutmenschliche Maulsperren, vor sich hin.

Musikalisch ist „Unbeugsam“ definitiv ein Stück härtere Kost. Die Grundessenz entspringt großteils aus dem Hardcore-Punk, aber auch metallastige Elemente, die bei der Thrash Metal Vergangenheit mancher Mitglieder kein Wunder sind, sind deutlich in einigen Songs wie „Hart Sein“ oder „Wer schützt uns vor euch“ zu vernehmen. Stilistische Eigenkreationen sind allerdings auch keine Seltenheit. Vor allem der Song „Ein Gesicht“, in dem teilweise mit Rap-Elementen experimentiert wird, spiegelt den eigensinnigen Stil der Band wieder. Die Gitarren sind allgemein besonders tief verzerrt (in diesem Sinne eben stark metallastig), der Gesang ist hin etwa mit Hatebreed und derartigen Hardcore-Vertretern vergleichbar, während das Schlagwerk dem Namen der Truppe alle Ehre macht und gnadenlos niedergeknüppelt wird.

Textlich befinden sich die Jungs, wie schon erwähnt, hart an der Grenze einer gesellschaftlichen Tabuzone, was angesichts der ordinären Begriffe nicht verwunderlich ist.
„Eure scheiß Freiheit, das ist verlog´ner Dreck!“, klagt der Sänger Van der Lubbe und fordert sein Recht auf wahre Freiheit im ersten Titel „mit Vollgas an die Wand“ ein. Der Titel richtet sich offenbar vor allem gegen die Auffassung von „Freiheit“, die heut zu Tage von Gesellschaft und Politik vertreten wird. „Rein, Rein, Rein“, der zweite Song auf der CD, ist eine gekonnte Beschreibung für den Menschentypus des klassischen „Arschkriechers“, wie er heutzutage zuhauf vorkommt. Die humorvolle Ader der vier Deutschen kommt vor allem im Lied „Das Rohr“ zutage, in dem der Protagonist nichts anderes tut als über das „Rohr“ zu klagen, welches ihn beherrscht. Interpretationen, was es denn nun mit dem Begriff „Rohr“ auf sich hat, lass ich natürlich gerne jedem offen, aber angesichts des Covers der indizierten EP von 2010, auf der das Lied erstmals erschien, ist der Interpretationsfreiraum doch eher begrenzt!
Am erwähnenswertesten ist jedoch das Lied „Wer schützt uns vor euch“, in welchem die Scheinheiligkeit eines Staates beschrieben wird, der vorgibt das Volk vor braunen sowie roten Faschisten, Islamisten und Terroristen zu schützen, in Wahrheit aber selbst nur ein Überwachungsstaat ist, der es auf den Abbau der Privatsphäre und die totale Kontrolle seiner Bürger abgesehen hat. Die Frage „Wer schützt uns vor EUCH?“, ist nicht an die aufgezählten Parteien gerichtet, sondern vermutlich (was aber eine reine Mutmaßung sein mag) an die hohen Tiere der Bundesrepublik Deutschland.

Die weiteren Songs genauer unter die Lupe zu nehmen, würde wohl viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen und nicht sonderlich viel Sinn machen, denn: Wer spätestens jetzt noch kein Interesse hat, sich in das Album mal reinzuhören, wird von den anderen Songs auch nicht überzeugt sein. Jeder, dem die CD jedoch schmackhaft gemacht wurde, sollte sich die Scheibe reinziehen, denn für etliche Hardcore-Hörer und Death-Metal-Fans, sowie alle möglichen Rocker des härteren Stils, ist „Unbeugsam“ sicherlich kein Fehlgriff. Die Betonung liegt jedoch abermals auf den nichtjugendfreien Inhalten. Ach! Und was die „Political Incorrectness“ betrifft? Scheiß der Hund drauf, die Knüppelbande wagt doch nur auszusprechen, was sich der Großteil der Bevölkerung denkt!

- Verfasser: Jalle von ROCK IDENTITÄT

Review: Rammstein – Made in Germany

Das Neue-Deutsche-Härte-Urgestein aus Deutschland feiert sein sechzehntes Jubiläum mit dem Best-Of-Album “Made in Germany”. Da bis auf ein Lied („Mein Land”) nichts neues dabei ist, möchte ich mich speziell über dieses Album eher kurz fassen und stattdessen einen Rückblick auf 16 Jahre voller Hardrock, Polarisierung und rollender “R”s halten.

Aber zuerst zur CD: Die Zusammenstellung ist gut gewählt, von jedem Album wurden die populärsten Lieder genommen und somit ganz nebenbei ein schöner Überblick über die musikalische Entwicklung Rammsteins geschaffen. Abgeschlossen wird mit dem einzigen neuen Lied auf der Scheibe, „Mein Land”. Wie man es von Rammstein gewohnt ist, strotzt es nur so vor Mehrdeutigkeit, dass man das Interpretieren am besten gleich sein lässt!

Zu erwähnen wäre noch, dass es 2 limitierte Versionen gibt: Die erste Version enthält eine CD 2 mit 17 Remixes verschiedenster Rammstein-Lieder. Der zweiten Limited-Edition wurden zusätzlich dazu ein 240seitiges Fotobuch, der gesamte Videokatalog, sowie sämtliche Making-Ofs beigelegt.

Da das einzige neue Lied des Albums ohnehin als Single ausgekoppelt wurde, ist „Made in Germany” mehr als ein nettes Sammlerstück, denn als „Pflichtkauf” zu sehen, was aber wohl durchaus so beabsichtigt wurde. Ansonsten ein nettes Teil, für Leute die Rammstein noch nicht kennen, sich aber mal reinhören wollen.

Kommen wir zu Rammstein selbst, die wahrscheinlich provokanteste Band des deutschen Mainstreams der letzten, nun ja, 16 Jahre. 1995 erschien das Debut-Album „Herzeleid”, das für viele Jahre den typisch roh-brachialen Rammstein-Sound definieren sollte. Der echte Durchbruch gelang aber erst ’97 mit „Sehnsucht”. „Mutter” stieg 2001 auf Platz 1 in die deutschen Charts ein. 2004 wagte man mit „Reise, Reise” erstmals musikalische Experimente: Am deutlichsten sticht dies bei den Balladen „Los”, „Amour” und „Ohne dich” heraus, aber Rammstein wurden insgesamt ein wenig „ruhiger”. Auch textlich wurde es eine Spur weniger explizit, während man tendenziell tiefgründiger, mehrdeutiger und sozialkritischer wurde. Im Jahr darauf, wurde “Rosenrot” veröffentlicht. Viele Lieder wurden noch für „Reise, Reise” geschrieben, fanden auf dem Album aber keinen Platz. Auf diesem Album wurde der beim Vorgänger begonnene musikalische Wandel konsequent weitergeführt. Beim bislang jüngsten Studio-Album “Liebe ist für alle da”, fungierte die BPjM unfreiwillig als Verkaufspusher, indem sie die CD aufgrund des Liedes “Ich tu dir weh” indizierte, was (wieder einmal) einen mächtigen Wirbel um Rammstein erzeugte.

Damit wären wir auch schon bei der selbstgewählten Rolle Rammsteins als skandalumwittertste Band des deutschen Mainstreams. Alleine der Bandname, der auf einen Unfall bei einer Flugshow, dem 70 Menschen zum Opfer fielen, anspielt, sorgte schon von Anfang an für Furore. Die hochintelligenten, mehrdeutigen, teilweise sadistisch-blutrünstigen Texte, das Auftreten der Band und sogar das rollende “R” des Frontmanns, Till Lindemann, erledigten den Rest. Ob man ihnen „Neonazismus” und Gewaltverherrlichung vorwarf, oder sie sogar als Auslöser des Amoklaufs von Littleton beschuldigte, die Band ein NS-Propaganda-Video, oder einen Porno als Musikvideo verwendeten, Rammstein verstanden es immer, haarscharf an der Grenze des Verbotenen und Verpönten vorbeizuschrammen und sich damit einen einzigartigen Ruf zu verschaffen.

Rammsteins Texte schaffen geschickt den Spagat zwischen Unterhaltung und tiefgründiger Gesellschaftskritik. Ob man mit „Amerika” Außenpolitik und Kulturimperialismus der USA, mit zig Liedern diverseste unorthodoxe Sexualpraktiken, mit „Pussy” den Strom deutscher Sextouristen thematisiert, oder im neuesten Lied, „Mein Land”, auf die Massenmigration Bezug nimmt, ohne durch das geschickte Songwriting in den Texten explizit Partei zu ergreifen, zeigen, wie man auf brillante Weise Mainstream und ein anspruchsvolleres Klientel gleichzeitig bedient.

In den letzten 16 Jahren ließen sich Rammstein nie in eine Schublade stecken – weder politisch noch sonst irgendwie. Weder das scheinbare Kokettieren mit faschistischer Ästhetik, noch die Selbstbezeichnung “linke Patrioten” oder das mit militärischen Marschiergeräuschen unterlegte “Links, 2, 3, 4″ ließen Rammstein ernsthaft als “links” oder “rechts” einstufen. Unterm Strich kann man Rammstein getrost als “Friedrich Nietzsche” des Hardrock bezeichnen – irgendwie lässt sich für Jeden das Eigene herausinterpretieren.

In diesem Sinne wünsche ich Rammstein auch für die (hoffentlich) nächsten 16 Jahre viel Glück und uns allen 16 weitere Jahre voller Mehrdeutigkeit, zahlreicher Interpretationsmöglichkeiten und rollender “R”s!

- Verfasser: Tyler D. von ROCK IDENTITÄT